1.October to 31.October 2021 / next action

On the 1.October we start to north Italy, to support people on the move
and structures on the ground.
We will be on the road for about a month to help.

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Powerbanks / Ladekabel spenden

Liebe Alle*

wir wollen im Oktober an europäische Grenzen fahren, um aktiv Geflüchtete auf ihrem Weg zu unterstützen.
Dabei brauchen wir noch eure Unterstützung, zum einen folgt weiter unten noch einmal der Spendenaufruf. Zum Anderen wird es in Halle, Greifswald, Neubrandenburg, Heidelberg, Dresden, Leipzig, Berlin eine Sammelstelle geben um folgende Dinge zu sammeln:

– Ladekabel USB C / B für Android Handys
– Ladekabel für iPhones
– Powerbanks um unterwegs Handys zu laden

Schaut doch bitte alle mal zu Hause nach ob sich nicht eventuell in euren Schubladen solche Dinge türmen und ihr uns diese dann zur Verfügung stellen könnt, damit wir sie dort verschenken und in abgelegenen Regionen, Menschen anbieten, das Sie ihre Geräte bei uns aufladen können.
Auch wenn ihr nur wenig finanzielle Mittel zur Verfügung habt, wäre es eine Möglichkeit in einem Einkaufsladen eurer Wahl eine Powerbank zu kaufen und sie an der Sammelstation abzugeben. Jede Powerbank und jedes Ladekabel hilft uns und den Menschen vor Ort.
Die Dinge werden Ende September von uns dort abgeholt, also gebt eure Sachen bitte vorher dort ab, damit sie uns erreichen.

Vielen Dank für deinen/euren Support!

Sammelpunkte

Halle/Saale

Medinetz Halle/Saale (Briefkasten im Hof, oder Mittwoch zwischen 16:00Uhr und 19:00Uhr)
Kontaktladen
Merseburgerstr. 120
06110 Halle/Saale

Greifswald

Pari (ehemals Pariser)
Kapaunenstr. 20
17489 Greifswald

Neubrandenburg

AJZ Neubrandenburg
Seestrasse 12
17033 Neubrandenburg

Heidelberg

OBG (Briefkasten)
Oberbadgasse 6
69117 Heidelberg

Dresden

Malobeo / alternatives Café & anarchistische Bibliothek
Kamenzerstr. 38
01099 Dresden

Leipzig

INDEX ( Öffnungszeiten sind derzeit Montag von 16-18:00h und Dienstag von 13-18:00h. Dazu noch jede ungerade Woche während des Antirep-Tresen am Dienstag ab 20:00h )
INDEX
Breiteste. 1
04317 Leipzig

Berlin

Laika in Neukölln ( Öffnungszeiten
täglich 18 – 00 Uhr )
Emser Straße 131
12051 Berlin

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Spendenaufruf DIRECTSUPPORT Oktober 21

cooking.information.medical care.

Wir als DIRECTSUPPORT haben es uns zur Aufgabe gemacht, Menschen die sich aufgrund verschiedenster Ursachen auf der Flucht befinden und auf ihrem langen und menschenunwürdigem Weg an den Außengrenzen Europas festhängen, zu unterstützen.
Wir haben eine mobile Bussturktur aufgebaut, die es ermöglicht, dass wir an verschiedenste Orte fahren können um dort zu kochen, Wlan , Strom für Handys und medizinsiche Versorgung anzubieten.
Auf unserem Blog directsupport.blackblogs.org findet ihr noch mehr Informationen zu unserem Projekt, der ersten Fahrt im Frühjahr und aktuelle Infos über DIRECTSUPPORT.

DIRECTSUPPORT ist gerade in der Planung für eine weitere Fahrt im Oktober 2021 und dafür suchen wir noch Unterstützung:
• vom Menschen, die Lust haben Teil von DIRECTSUPPORT zu werden und mit uns zusammen das Projekt zu organisieren
• für die Betreuung des Infobusses vor Ort
• beim Kochen vor Ort
• für die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort
• im Medibus bei der medizinischen Versorgung
• beim Sammeln von Spenden in Form von Geld und zb. Handyladekabeln, Netzteilen, Powerbanks…

Wir bereiten die Fahrt gemeinsam vor und sind dabei in verschiedenen Arbeitsgruppen organisert. Du musst für keins der Arbeitsfelder eine Expert:in sein – wenn Du Lust und Interesse an den Aufgaben hast, ist es möglich, in allen Bereichen mit zu machen und Verantwortlichkeiten können auch routieren.
Für die Arbeit im Medibus sind Vorerfahrungen und fachliche Ausbildungen sinnvoll, aber nicht zwingend notwendig, wenn Du vor der medizinischen und pflegerischen Versogung von Menschen keine Hemmungen hast – wir arbeiten immer im Team , teilen unser Wissen und beraten uns bei jeder Behandlung.

Hast Du Interesse uns zu Begleiten oder anderweitig zu unterstützen?
Hast Du Fragen zum Projekt?

Schreib uns eine Mail an : directsupport(ät)riseup.net

Wir freuen uns von euch zu hören!

Leitet unseren Aufruf gern an solidarische Freund:innen und Gruppen weiter!

Eure DIRECTSUPPORT crew

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autumn / herbst 21

our next action is planed for october 2021.
We want support people on the move on their long hard way thet they must go for a „better“ life.
more infos following soon…

unsere nächste Aktion ist für Oktober 2021 geplant. Wir wollen Menschen in Bewegung auf ihrem langen, harten Weg unterstützen, den sie für ein „besseres“ Leben gehen müssen.
weitere Infos folgen in Kürze…

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Direct Support Halle über die Situation Ventimiglia

Die Gruppe „Direct Support“ hat die letzten Wochen in Ventimiglia in Italien verbracht, um dort Menschen zu unterstützen, die die Grenze überqueren wollen. Wir haben mit Anne vom Direct Support über Ihre Arbeit und Ihre Zeit in Ventimiglia gesprochen.

zum interview

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An der Grenze in den Alpen

Update und Unterstützungsaufruf aus Oulx an der italienisch französichen Grenze

Am 23. März 2021, wurde nahe der französischen Grenze in Italien eine selbstverwaltete Notunterkunft für Menschen auf der Flucht geräumt. Die Casa Cantonera in Oulx im Piemont, in den Alpen war seit Dezember 2018 besetzt und bis Ende März für Menschen auf der Flucht ein Ort zum durchartmen, informieren, und weiterkommen.

Wie es jetzt, 6 Wochen nach der Räumung an der Grenze aussieht, und was konkret vor Ort gebraucht wird erzählt uns eine Noborderaktivistin

zum interview

Kontakte und Infoseiten sind:

nonationtruck@riseup.net
chezjesoulx@riseup.net
nonationtruck.org
passamontagna.info

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Dublin muss weg – die Situation von Betroffenen durch Abschiebung nach einer obsoleten Verordnung

In einem Dublin-Verfahren nach der Dublin-III-Verordnung von 2013 wird geprüft, welcher Staat in Europa für die Durchführung des Asylverfahrens von Asylsuchenden zuständig ist. Es darf dann nur in diesem einen Staat ein Asylantrag gestellt werden und eine Weiterreise ist nicht erlaubt. Verlässt ein People on the move den zuständigen Staat, kann er oder sie als sogenannter „Dublin-Fall“ abgeschoben werden. Ziel der EU und der vier weiteren beteiligten Staaten Schweiz, Island, Liechtenstein und Norwegen war dabei eigentlich zu verhindern, dass Menschen zwischen den Staaten hin- und hergeschoben werden ohne dass jemand Verantwortung für sie übernimmt.

2020 drohte in Deutschland 30.100 Menschen (20 Prozent aller Asylsuchenden) eine Abschiebung nach der Dublin-III-Verordnung. Jeder fünfte Asylantrag wurde also formell abgelehnt, da die Zuständigkeit bei einem anderen Mitgliedstaat lag. Tatsächlich in das Land überstellt wurden aber nur 3.000 Menschen. Im gleichen Zeitraum wurden etwa 4.400 Menschen aus anderen europäischen Staaten nach Deutschland überstellt. Durch die mangelnde Kooperation einiger beteiligter Staaten ist das Verfahren seit 2015 faktisch außer Kraft gesetzt und es wird dennoch daran festgehalten.

In der Verordnung gibt es eine ganze Reihe von Kriterien zur Bestimmung des zuständigen Staates, die nach der Reihe abgeprüft werden. Zunächst gilt das Prinzip des Kindeswohls für unbegleitete Minderjährige, die dadurch grundsätzlich ein Recht auf Prüfung ihres Asylantrags in dem Land haben, in dem sie sich aufhalten und nicht gegen ihren Willen abgeschoben werden können. Auch das Recht auf Familieneinheit besteht, ist aber nur in einem engen Rahmen garantiert. Es bezieht sich, mit Ausnahme bei Hilfsbedürftigkeit, nur auf die Kernfamilie, d.h. auf Eltern und ihre minderjährigen Kinder und eine Zusammenführung ist nur dann möglich, wenn der/die Ehepartner*in oder ihre Kinder noch in dem anderen Staat im Asylverfahren sind oder bereits dort internationalen Schutz erhalten haben. Meist sind es aber alleinreisende, erwachsene Menschen, die sich auf der Flucht aus ihrem Heimatland auf den Weg nach Europa machen und deshalb wird am häufigsten das Kriterium angewandt, wonach der Staat zuständig ist, über den Mensch in die EU eingereist ist bzw. zum ersten Mal das Territorium betritt. Um dies zu kontrollieren werden People on the move von der Polizei des jeweiligen Landes registriert. Dies passiert vor allem über Fingerabdrücke, die in einer zentralen Datenbank namens EURODAC gespeichert werden, aber auch Fahrkarten oder die jeweilige Landeswährung wurden schon als Beweis geltend gemacht.

Im Prinzip könnte jedoch jeder Staat trotzdem immer noch freiwillig entscheiden, einen geflüchteten Menschen unabhängig dieser Kriterien aufzunehmen, was bekanntlicher Weise aber nicht gerne gemacht wird. Allein aufgrund der Geografie sind demnach meist die Länder an den äußeren Süd- oder Ostgrenzen Europas zuständig, wie beispielsweise Italien oder Ungarn. Und so kommt das Dublin-System vor allem den Ländern im Zentrum Europas zugute, die es in seiner ersten Fassung 2003 auch so durchgesetzt haben und nun daran festhalten wollen, obwohl es zu einer Überlastung weniger, finanziell sowieso schlechter gestellten Staaten führt.

Dass die Lebensbedingungen für die Betroffenen in den Ländern ihrer Zuständigkeit zum Teil unerträglich sind, ist nur einer der Gründe, warum People on the move sich für eine Weiterreise entgegen der Verordnung entscheiden. Neben der Sprachbarriere und mangelnder Informationsweitergabe, ist das Dublin-System an sich schon so kompliziert und undurchsichtig gestaltet, dass Menschen zum Teil garnicht verstehen, welches Land denn jetzt für sie zuständig wäre. Auch kommt es vor, dass Menschen auf ihrer Durchreise unabsichtlich einen Asylantrag gestellt haben, ohne es gemerkt, geschweige denn darüber informiert worden zu sein. Bis das Verfahren abgeschlossen ist, müssen People on the move dann in diesem Land bleiben und oft monatelang in Unsicherheit, ohne Unterkunft, Versorgung oder Arbeitserlaubnis abwarten, wie über ihre Zukunft entschieden wird.

Die Fehler des Dublin-Systems sind auch schon theoretisch offensichtlich, doch die fatalen Auswirkungen haben die People on the move zu tragen. Sie spiegeln sich in zahllosen Lebensgeschichten der Menschen, denen wir in unserem Alltag auf dem Platz begegnen.

Wir treffen zum Beispiel einen Menschen aus Gambia in unserem Medibus, der unter einer langjährigen Erkrankung mit starkem Erbrechen leidet. Auf seinem Weg nach Frankreich bricht er immer wieder zusammen und wird von der französischen Polizei nach Italien gepushpackt, wo wir ihn am nächsten Tag völlig erschöpft und dehydriert treffen. Er erzählt uns, dass er seit einigen Jahren Asyl in Italien habe, aber von der italienischen Regierung nun ausgewiesen wurde, um seinen Fall neu zu prüfen und von einem Tag auf den Anderen seine Wohnung aufgeben musste. Er lebte dann wieder auf der Straße und entschloss sich nach Frankreich zu gehen, wo er aber aufgrund der Dublin-Verordnung nicht einreisen darf und keine Chance auf Asyl hat, da Italien für ihn zuständig ist.

Bei einem Menschen aus Pakistan wundern wir uns über sein fließendes Deutsch und als wir nachfragen, erklärt er uns, dass er bereits 3 Jahre in Deutschland gelebt habe. Er habe die Sprache gelernt und sich ein Leben aufgebaut, dort aber schließlich nur eine Duldung erhalten. Dies ist kein echter Aufenthaltstitel und bringt viele rechtliche Nachteile mit sich. Er bekam dadurch in Deutschland keine Arbeitserlaubnis, was für ihn, wie für viele der Menschen, denen wir begegnen, eine starke psychische Belastung darstellt und dazu führte, dass er schwer depressiv wurde und sich entschied, dass Land zu verlassen und nach Italien zu gehen. Hier wird sein Antrag auf Asyl aber vermutlich abgelehnt werden, weil zuerst Deutschland zuständig ist, wo sein Fall bereits geschlossen ist.

Hinter einem anderen Dublin-Fall verbirgt sich ein Mensch aus Marokko, der perfektes Französisch spricht und ein neues Leben in Frankreich beginnen möchte. Er muss jedoch in Italien bleiben, da dieses Land für seinen Antrag zuständig ist und lebt nun dort auf der Straße und wartet hier nun seit Monaten auf den Ausgang seines Verfahrens, ohne zu wissen, wann und wie darüber entschieden wird.

Der ehemalige EU-Migrationskommissar Avramopoulos sagte, Dublin ist nicht tot und zeigt damit die andauernde Ignoranz der EU gegenüber der bitteren Realität. Nach dem Verfahren dürften in zentraleuropäischen Ländern so gut wie keine Menschen ankommen, was nicht nur ungerecht ist, sondern auch einfach nicht der Fall. In Wahrheit ist das System, spätestens seit 2015, durch die hohe Zahl an Asylanträgen nicht mehr funktionsfähig und wurde deswegen faktisch auch immer wieder außer Kraft gesetzt. Die Länder an den europäischen Außengrenzen können die Zahl der ankommenden Menschen nicht alleine bewältigen, was dazu führt, dass People on the move unmenschlich behandelt werden und sowohl Mitgliedsstaaten als auch People on the move versuchen das System zu umgehen. Währenddessen wird viel diskutiert über alternative Möglichkeiten, wie eine europaweite Quotenregelung. Aber es fehlt die Bereitschaft etwas zu verändern. Und so müssen People on the move weiter mit den fatalen Konsequenzen dieses obsoleten Systems leben.

Das Dublin-Verfahren sollte längst tot sein und es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit von der Situation der Betroffenen erfährt, damit Druck auf die politischen Entscheidungsträger aufgebaut werden kann. Dublin muss weg, das ist offensichtlich und darf nicht mehr weiter geleugnet werden!

We are here and we will fight. Freedom for movement is everybody’s right.

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Erfahrungsbericht Ventigmilia

Einige sind müde. Schon so lange hier. Ich erst seit ein paar Tagen und dennoch merke ich, wie auch ich heute müde bin. Viele Geschichten, viele Menschen. Viel Lärm. Viel Müll. Mittendrin in einer Stadt, in der auch viel Tourismus geht. Manche Menschen, sind so unfreundlich. Mehrmehrmehr, mehr essen, mach mir mehr drauf. Please, antworte ich. Ich bin doch keine Maschine. Und dann, dann kommt ein Please. Aber ob es wirklich ernst gemeint ist, weiß ich auch nicht. Kein Wunder, so viel Scheiße, in so vielen Ländern. Der vielleicht 3. Versuch, über die Grenze nach Frankreich zu kommen. Und wieder hier. Wieder an diesem Ort, an diesem Platz. Wieder an diesem Squat, das geräumt wurde und dennoch, sind nicht alle Fenster mit Metallplatten vernagelt. Es gibt Wege da rein, da drin zu schlafen. Um das Squat herum, Müll. Take away Essensboxen, Kleidung, ein paar leere Bierdosen. Wir geben Essen aus. Hauptsächlich an männlich gelesene Personen.

Wenn weiblich gelesene Personen am Platz sind und mit einer bzw. mehreren männlich gelesenen Personen unterwegs sind ist es unklar, ob diese männlich gelesene Person nicht einer der Menschenhändler ist, die unterwegs sind hier. An einem Tag frage ich vier weiblich gelesene Personen auf dem Parkplatz, auf dem wir jeden Tag sind, wie ihr Weg war, wo sie gerne hin möchten und vor allem wie es für sie ist von so vielen Männern umgeben zu sein. Sie erzählen ihre Geschichten. Dafür winken sie eine männlich gelesene Person dazu, denn sie sprechen kein Englisch. Auf die Frage, wie das mit den Männern ist, zeigen sie mit ihren Fingern, das sie sehr nah wären. Wie Brüder wären sie, oder Cousins. Später erzählt mir eine Person aus der Supportstruktur, dass „Bruder“ und „Cousin“ auch oft benutzt wird für die Männer, die als Schlepper fungieren.

Andere Männer bzw. Menschen die ich männlich lese, begegnen mir mit Sexismus. Ich bekomme den starken Eindruck, dass sie mich auf mein Geschlecht reduzieren. Mir schwindet die Lust, mit ihnen zu reden. Ihre Geschichte zu hören. Ich frage mich, wem kann ich noch vertrauen? Wer kommt mir plötzlich zu nahe? Wann kommt der Zeitpunkt, an dem die Stimmung wieder kippt und ich nicht mehr ernst genommen werde? In einer anderen Sprache vor mir, vermutlich über mich gesprochen wird. Sich über mich lustig gemacht wird.

Aber vielleicht bin ich auch nicht ernst zu nehmen? Weiß, privilegiert, mal eben auf sozialer Mission Essen austeilen und Wifi anbieten und dann wieder zurück? Und mit meiner Erwartung, das Unabhängig von der jeweiligen Sozialisierung ein Umgang ohne Reduzierung auf Geschlecht in allen Kontexten statt finden soll?

Ich denke, ich bin ernst zu nehmen. Und das was hier passiert, ist genau das, ein Auswuchs der kapitalistischen Scheiße, die nun mal nicht von patriarchalen Strukturen zu trennen ist.

Ob ich das wohl lange kann? Die Widersprüche aushalten, die bis dahin gehen, dass ich mich frage inwiefern ich und wir auch negative Wirkungen hinterlassen? Symptome bekämpfen? Meine privilegierte Position nutzen um anderen das Leben in der großen Scheiße ein Stück weit besser zu machen?

Mir erscheint die Stimmung weitaus heftiger, trauriger, trostloser. Als an anderen Orten, an denen ich in ähnlichen Kontexten unterwegs war. Dort erschien es mir, als wären Witze, Scherze, Lachen trotz all der Scheiße ein Teil des Alltages auf der Straße, auf den Plätzen, in den Unterkünften. Vielleicht habe ich es hier noch nicht mitbekommen- aber so wie ich es bisher mitbekomme, erscheint mir die Lebensfreude weitaus weniger am Start zu sein. Vielleicht auch kein Wunder, nach den langen Wegen, nach den vielen (traumatischen?) Ereignissen. Nach so vielen Nächten unruhigen Schlafes. Immer wieder werden mir, werden uns Geschichten erzählt. Unterschiedlichste. Von Erlebnissen in dem Herkunftsland, auf dem Weg dahin, wo die Menschen sich ein besseres Leben erhoffen. Und dann noch Bitte und Danke sagen wenn eine Kartoffel vor dir steht und dir Pasta mit Tomatensoße in ein recycelbaren lapprigen Plastikteller kippt und dir eine Holzminigabel dazu legt?

Mir klebt die FFP2 Maske am Gesicht und ich schenke den nächsten Kaffee ein. Zum zwanzigsten Mal desinfiziere ich mir die Hände, vor mir ein paar Menschen mit Masken, unterschiedliche. Covid ist da, aber irgendwie auch weit weg. Einige der People on the move tragen sogar ihre Maske zum Schlafen. Unser Mediteam berichtet, das dennoch kaum ein Mensch nach einem Coronatest fragt. Die Menschen sind den ganzen Tag draußen, bleiben meist in ihrer Gruppe.

Einige aus der Supportcrew sagen, dass sie bei dem Gedanken, dass sie bald abreisen, denken, es wird hier aber noch lange nicht vorbei sein. Und ich frage mich, hört diese Scheiße jemals auf? Wie oft werde ich noch an Orten sein, an dem der Strand wunderschön ist, die Berge leuchten, der Wasserfall neben mir plätschert und eigentlich nur ein Haufen Scheiße am Start ist?

Wann werden wir damit aufhören können, die Scherbenhaufen dieses Systems zu minimieren? Um dann nach ein paar Wochen „nach Hause“ zurück zu kehren und nach dem Kämpfen mit dem Alltag dort- wieder dort anzukommen und dann, dann irgendwann wieder los zu ziehen?

Dazu die Gefühle untereinander, die Nähe, die Sympathie, das Gefühl am Rande der Nerven zu kratzen und jede Stimmung auf zusaugen und in eine individuelle Ablehnung oder Verunsicherung zu beziehen? Um dann sich selbst wieder hoch zu ziehen, sich wieder zu erholen. Wie viele Gefühle haben hier Platz? Und wie viele Selbstzweifel? Wie viele Auseinandersetzungen untereinander?

Und dabei doch, den ein oder anderen schönen Moment zu haben. Wenn morgens die Sonne auf den Kaffee scheint, wenn wir Menschen nicht wiedersehen und hoffen, das sie es nun geschafft haben- einen Schritt weiter zukommen in ein für sie hoffentlich besseres Leben. Wenigstens eine Grenze überwunden zu haben, die sie dahin hoffentlich näher bringt. Bis dahin die Wut und die Suche nach den Antworten.

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Danke für eure Unterstützung

Vielen Dank an alle, die nicht vor Ort sind, aber die Unterstützung hier möglich machen und gemacht haben! Alle, die an der Organisation beteiligt sind; alle die sich im Vorfeld oder auch noch immer mit Geld und Sachspenden einbringen; alle die in Ventimiglia waren und mittlerweile an andere Orte weitergezogen sind.

Dass es den Menschen, die gerade versuchen in Ventimiglia people on the move zu unterstützen emotional auch nach 4 Wochen meistens noch gut geht, hat auch viel mit euch zu tun.

Solidarische Grüße!

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Erfahrungsbericht Ventimiglia April 2021

Directsupport.

Seid Dezember 2019 ist dieses Projekt für mich ein Bestandteil in meinem Alltag, mal intensiver und mal etwas entfernter.

Im Sommer 2015 war ich in verschiedenen Zusammenhängen und mit verschiedenen Personen, die ich gut oder eher weniger gut kannte an verschiedenen Grenzorten auf der Balkanroute unterwegs, um dort Menschen zu unterstützen die sich auf dem Weg nach Europa oder in weitere westlich gelegene Länder befanden.Ich war auch unterwegs, um zumindestens in Bruchteilen zu verstehen, was medial äußerst diskriminierend als „Flüchtlingskrise“ und später als Sommer der Migration benannt wurde. Im Fernsehen und in den Zeitungen waren Bilder zu sehen, wie unzählige Menschen eingekesselt von Polizei und Militär am Bahnhof von Keletti in Ungarn, campieren mussten. Rasant kam es dazu, dass immer mehr europäische Grenzen schlossen und monatelang Grenzkontrollen wieder auf der Tagesordnung standen, das Schengenabkommen war außer Kraft gesetzt.

Aber was hat das mit Ventimiglia im Jahr 2021 zu tun?

Für mich hat es unter anderem damit zu tun, dass diese Umstände, die ich an verschiedenen Orten für kurze Zeit miterlebt habe, mein politisches Bewusstsein und meine Abneigung gegenüber Staaten und deren Grenzen stark geprägt haben.Viele der Situationen in Rözske, Sid, Belgrad oder Rigonze habe ich noch deutlich vor Augen und werde sie sicher so schnell nicht vergessen.

Szenen in denen hunderte Menschen, meist dürftig gekleidet, orientierungslos, hungrig und verängstigt von Polizei und Militär gekesselt oder von einem Punkt zum nächsten eskortiert wurden. Der Geruch von verbrannter Plastik, nassen Decken gemischt mit Fäkalgestankt…

Als ich zu der Gruppe des Projektes Directsupport hinzu kam, war der Plan auf die Balkanroute, vielleicht nach Bosnien zu fahren, um erneut Menschen, die dort an Grenzen festhängen, soviel Solidarität wie möglich entgegen zu bringen.

Wir haben gemeinsame Vorbereitungen getroffen, bis wir dann im März 2020 merkten, dass eine Fahrt zum Balkan gar nicht möglich ist, da aufgrund der Covid 19 Pandemie fast alle Grenzen, die wie hätten passieren müssen, geschlossen waren.

Somit hat sich das Projekt um ein Jahr verschoben und wir fanden uns im März 2021 erneut vor der Entscheidung – kommen wir mit der geplanten Busstruktur und mit der sich stets ändernden Pandemie Lage voran?

Im Rahmen der Überlegungen, was wir tun wollen, kam der Kontakt zu der ebenfalls selbstorganisierten Gruppe Kesha Niya, die seid einigen Jahren in Italien aktiv ist, zustande.

Wir entschlossen uns, unseren Plan für das Frühjahr zu ändern.

Lange Rede und auch viele Gedankengänge später:

3,5 Wochen mit Directsupport in Ventimiglia.

Diese Zeit verbrachte ich überwiegend auf dem Parkplatz der Via Tenda im Medibus, mit der medizinischen und hygienischen Versorgung von People on the Move im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Unsere Tage waren immer ziemlich lang, begonnen meist mit einer Besprechung des Tages und notwendigen Themen am Morgen, dann von Mittags bis Abends am Destributionplace, dann Essensausgabe am Squat oder am Beach und meistens noch Gruppentreffen am Abend.

So kam ich mit sehr vielen und sehr verschiedenen Menschen in Kontakt.

Bei der Versorgung vieler Personen im Medibus kamen unterschiedliche Situationen zu Stande:

Manche Anliegen gingen ganz schnell, manchmal waren Gespräche sehr zeitaufwändig, öfters war es auch lustig – da wir uns mit verschiedenen Sprachapps versuchten zu verständigen, mal mit und mal ohne Erfolg. Manche Besuche im Medibus wurden auch immer vertrauter, da einige Menschen häufiger oder sogar täglich vorbei kamen. Doch kam es auch zu unangenehmen oder nervigen Begegnungen.

Ich konnte mich in meiner Aufgabe im Medibus gut wieder finden, da ich vielen Menschen dadurch in einem kleineren und geschützteren Raum und Rahmen zuhören konnte, an ihrem Alltag teilhaben durfte und Beschwerden lindern konnte.

Da wir unseren Tag ja überwiegend am Parkplatz Via Tenda verbrachten, erlebte ich jedoch auch den Tag am Infobus in Ausschnitten mit und habe somit viele verschiedenen Stimmungen miterlebt, die von der Anzahl der Menschen, vom Frustrationsgrad und vom Wetter abhängig sein konnten.

An vielen Tagen bin ich gerne auf den Platz gekommen, an manchen Tagen war ich angespannt und von der Anzahl der Menschen und ihren Anliegen gefordert. Was ich das erste mal an mir beobachtet habe ist, dass es mich an manchen Stellen beengt hat, überwiegend unter männlich sozialisierten und/oder von mir gelesenen Personen zu sein.

Für mich war es eine intensive Zeit, ich habe erneut erlebt, was es bedeutet, wenn Menschen innerhalb von Europa nicht erwünscht sind und sie am Rande der Existenz leben und durchkommen müssen.

Für mich ist es eine sehr wichtige Erfahrung diese Lebensrealität – die zu meinem Alltag in Deutschland komplett gegensätzlich ist, kennen zu lernen und wahrzunehmen. Ich weiß natürlich, dass es sich um eine sehr kurze Zeit handelt, die ich nur in Ausschnitten mit erlebt habe und das diese Zeit physisch für mich ein Ende hat und für die People on the Move in Ventimiglia weiter geht.

In meinem Kopf und in meinen Gedanken und den daraus folgenden Handlungen bleibt diese Zeit jedoch bestehen und viele Szenen und Tatsachen werde ich nicht vergessen. Für mich ist es wichtig, dass ich diese Erfahrungen und die Einblicke die mir viele Menschen in ihre Leben für einen kurzen Moment gewährt haben zu nutzen. Die Menschen gaben mir somit die Möglichkeit diese Informationen in politischen und gesellschaftlichen Geschehnissen einzuordnen. Ich möchte sie nutzen, um durch Erleben und Verstehen handlungsfähiger zu werden und nicht nur schockiert zu bleiben, über das was tatsächlich auf Europas Straßen passiert.

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